Es gibt sie noch, die kleinen Läden, in denen der Punk abgeht. Ohne dass sie inzwischen einfach weggeSTARBUCKSt worden sind. In Cebu City machen sie das ganz geschickt, der Schuppen ist als Restaurant getarnt. Wenn keine Show ansteht, werden Speisen und Getränke gereicht. Die Bewertungen hierfür sind maximal unauffällig, bisher ist keine der Weltmarken aufmerksam geworden.
Wie es ist, wenn Live-Musik auf dem Programm steht, habe ich am Wochenende erleben dürfen. Tische und Stühle raus, aus strategischen Gründen bleibt einzig der Tresen an Ort und Stelle. Ungefähr 100 Quadratmeter sind dadurch freigeworden, Platz genug für Technik, geschätzte 150 Leute plus Band in einer Ecke. Das ultimative Wohnzimmerkonzert. Eigentlich handelt es sich um ungefähr 20 Konzerte, ein jährlich ausgetragenes Festival feiert 30-jähriges Bestehen. Zwischen 18:00 und 02:00 Uhr stehen über 20 Bands aus dem Bereich Punk und Hardcore
auf der Bühne in der Ecke. Umgebaut wird binnen weniger Minuten, das Schlagzeug wird von allen gemeinsam genutzt, Gitarre und Bass werden ganz schnell ab- und angestöpselt. Der sonst gerne hermetisch abgeschirmte Backstage-Bereich ist auf den Freisitz verlagert worden, gemeinsam mit Merchandise, Catering und Ticketverkauf. Im Restaurant herrschen um die 25° C - bevor es losgeht. Dieser Wert wird aber ganz schnell pulverisiert, pro Mensch im Raum steigt die Temperatur um ungefähr ein halbes Grad. Dementsprechend trinkt man einen halben Liter um einen ganzen sofort wieder auszuschwitzen. Selbst wenn man sich von Circle Pits und ähnlichen Aktivitäten fernhält. Aber nicht alle können sich so zurückhalten, im Publikum ist Krawall und Remmidemmi und die Bands müssen immer mal wieder um Abstand bitten. Solche Ansagen sind aber völlig für die Katz, die Zuhörer halten sich für ungefähr eine halbe Minute daran, danach werden die Menschen wieder neu gemischt.
In den kurzen Pausen wird der Fußweg an der Hauptstraße geflutet und alle sind dankbar für die kurze Abkühlung. Doch sobald von drinnen die ersten Töne zu vernehmen sind, strömt die Menge zurück in die Sauna. Bleichgesichter - ich zähle vier - sind gern gesehene Gesprächspartner, ansonsten kennt man sich in der Szene. Vor allem kommt immer wieder die Frage, wie man denn auf das Event aufmerksam geworden ist. Was soll ich sagen, so etwas taucht natürlich nicht in den offiziellen Veranstaltungskalendern auf. Aber Google hat wahrscheinlich lange vor den Veranstaltern selbst davon gewusst.
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