Posts mit dem Label Brasilien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Brasilien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 5. Januar 2020

Der große Biervergleich

Meine Mission heute: Innerhalb von drei Stunden drei Bier in drei verschiedenen Ländern in mich hinein transferieren. Damit die Arbeit an den Leberwerten nicht unter Trinkurlaub verbucht wird, verpasse ich dem Ganzen einen investigativen Anstrich.
Möglich macht diese Aktion das Grenzgebiet zwischen Kolumbien, Brasilien und Peru mitten im Amazonas. Der Einfachheit halber entfallen hier Geldwechsel und Grenzkontrollen, letzteres sofern man sich nicht mehr als 50 Kilometer vom Dreiländereck entfernt. Ansonsten gibt es hier alles, was man sich bei den Stichworten "Hafen" und "Grenze" so vorstellt: Eine florierende Markt-Wirtschaft, Wechselstuben in jedem zweiten Haus, leicht(bekleidet)e Mädchen und jede Menge Alkohol.
Bei letzterem kommt meine Geschichte ins Spiel. Zum Test treten an: Poker aus Kolumbien, Schin aus Brasilien und Cristal aus Peru. Getrunken in den jeweiligen Grenzorten Leticia, Tabatinga bzw. Santa Rosa.
Der erste Kandidat überzeugt vor allem durch seinen Namen. Einfach unschlagbar. Geschmacklich ist das Getränk solider Durchschnitt, mehr leider nicht. Negativ fallen zudem die Portionsgröße und die Darreichung in einer Blechdose ins Gewicht. Schin hingegen ist sehr süffig und wird am Hafen von Tabatinga wortlos nachgeschenkt, sobald die Flasche leer ist. Ein durchaus lobenswerter Ansatz, aber auch ein wenig gefährlich bei 28° C Außentemperatur und gefühlten 120% Luftfeuchtigkeit. Klarer Testsieger ist aber das peruanische Cristal. Wie Schin wird es direkt aus dem Tiefkühlfach serviert. Der "Meister der Qualität" hat nicht nur die meisten PS, sondern schmeckt tatsächlich vorzüglich. Obendrein lösen sich irgendwann ganze Eisstücke von der Flasche, die man dann binnen Sekundenbruchteilen irgendwo in der Nackengegend in Wasser verwandeln kann. Einziger Nachteil: Qualität hat auch hier ihren Preis. Das kann an diesem speziellen Ort allerdings auch im inoffiziellen Wechselkurs zwischen kolumbianischem Peso und peruanischem Sol liegen.

Die Biere Poker aus Kolumbien, Shin aus Brasilien und Cristal aus Peru
Das Testfeld

WEITERLESEN
Eisbärbier
Der Supermarkt Südamerikas
Grenzerfahrungen
Stempeln gehen

Montag, 16. Juni 2014

Alles hat ein Ende

Brasilien beklagt jedes Jahr Unmengen an Verkehrstoten und ich muss gestehen, dass der Tod bei den hiesigen Verkehrsverhältnissen von Zeit zu Zeit durchaus eine überlegenswerte Alternative darstellt. Sofern man ihn denn findet, ausgeschildert ist hier nämlich so gut wie gar nichts - mit Ausnahme von Einkaufszentren und (immerhin) WM-Stadien. Und sofern man ihn pünktlich erreicht, bei den Straßenverhältnissen ist das allerdings nahezu ausgeschlossen.
Fünf Spuren verengen sich plötzlich auf zwei - oder besser: der Platz verringert sich, Spuren gibts eigentlich gar keine - Hinweisschilder verstecken sich direkt hinter Werbetafeln, Autobahnabfahrten enden unangekündigt auf Feldwegen und Umgehungsstraßen umgehen vor allem die Peripherie und führen stattdessen mitten durch die Stadt. Allerdings nur den Ortskundigen, alle anderen versuchen verzweifelt, sich an Bahnlinien oder Flussläufen zu orientieren.
Manchmal allerdings werden Straßen selbst zu reißenden Fluten, den tropischen Niederschlagsmengen ist die - wenn überhaupt vorhandene - Kanalisation lange nicht gewachsen. Wenn denn aber mal sämtliche Widrigkeiten passen müssen, kommt ein positiver Aspekt des Systems zum Tragen: Alle Blitzer werden mehrfach und unübersehbar angekündigt.

WEITERLESEN
Sehen und gesehen werden
Fährt ein Bus durch einen Tunnel
Regenrennen
Im Verkehr

Samstag, 14. Juni 2014

Dusche für alle

In der Gegend Brasiliens, in der man sich um das Wetter keine Gedanken machen muss, weil eigentlich immer die Sonne scheint, ist natürlich Ausnahmezustand, wenn es mal ordentlich schüttet. Die Sonne scheint nämlich nur eigentlich immer. In Kombination mit einem WM-Spiel, Sportart alle-drehen-komplett-am-Rad, waren wir dann schon bei zwei Ausnahmezuständen zur selben Zeit.
Es beginnt irgendwann mitten in der Nacht mit den ersten Tropfen und endet kurzzeitig gegen vier am Nachmittag. Die übrigen 8.748 Stunden des Jahres scheint aber sicher die Sonne. Jedenfalls gehen neben der Welt auch einige Autos unter und werden von geschäftstüchtigen Locals von der kanalisationslosen Hauptstraße geschoben. Diese existiert in der bekannten Form nicht mehr, es ist nur noch eine reißende Flut zu erkennen. Aber eigentlich scheint hier immer die Sonne.
Am Stadion angekommen stellt sich heraus, dass selbst Sepp Blatters Schergen vor dem Wetter kapituliert haben: Sämtliche offiziellen Fanartikel-Verkaufsstände bleiben heute leer. Auf der Tribüne wird dann klar, dass leider nicht alle Plätze überdacht sind. Eigentlich scheint ja hier auch immer die Sonne. Als erfahrener Stadionbesucher weiß man natürlich, was das Wichtigste in einer solchen Situation ist und trinkt das Bier zügig aus um ein Verwässern zu vermeiden. Apropos verwässern: Mittlerweile bildet sich auf den Rängen Aquaplaning, erste Besucher ziehen den Kürzeren gegen eine ziemlich rutschige Treppe. Atmosphärisch erinnert das Ganze an eine Dusche, aber eigentlich scheint ja das Ganze Jahr die Sonne.
Am Ende des Spiels steht es nicht nur auf dem Rasen 1:0 für Mexiko gegen Kamerun. Auch der Sombrero der Fans ist einfach bei Wasser von oben das deutlich geeignetere Accessoire als eine Perücke in den Landesfarben Kameruns. Die Afrikaner konnten das aber nicht wirklich ahnen, denn eigentlich scheint hier ja immer die Sonne.

Regen beim Fußball-WM-Spiel in Natal / Brasilien
Wasser marsch

WEITERLESEN
Regenrennen
Wetterfühlig
Regenzeit
Dunkle Wolken

Schnorcheltrip auf brasilianisch

Ein putziges Volk, diese Brasilianer. Das Land verfügt über tausende Kilometer Küstenlinie, aber kaum einer der Bewohner kann gut schwimmen. Deshalb trauen sich auch nur wenige ernsthaft ins kühle Nass.
Trotzdem haben sich neben mir einige Leute für einen Bootsausflug zum Schnorcheln sieben Kilometer vor der Küste eingefunden. Auf dem Kutter werden zunächst sehr ausführlich der Umgang mit dem Equipment und später noch ausführlicher die Benutzung der leider obligatorischen Schwimmwesten erklärt. Auf ein Kommando hin hüpfen alle ins Wasser, verjagen somit sämtliche Meeresbewohner aus dem näheren Umfeld und feiern dann sowas wie eine Poolparty in unmittelbarer Umgebung des sicheren Schwimmgeräts.
Nach wenigen Minuten ist das Spektakel vorbei und der einzige Europäer, ein paar Jungs aus der Mannschaft und zwei Taucher haben das Wasser für sich. Während sich die Fische langsam wieder aus der Deckung trauen, genießen alle anderen den Blick von Deck aus.

Das Boot beim Schnorchelausflug vor Maracajaú / Brasilien
Immer in der Nähe bleiben

WEITERLESEN
Ist der Bus jetzt halb voll oder halb leer?
Waaanndudri
Fischsuppe
Sie sind überall

Poser, Du bist ein

Jeder, wirklich jeder macht es. Bei manchen hat man das Gefühl, sie sind nur deswegen nach Rio de Janeiro gekommen. Es ist aber auch zu verlockend.
Genau genommen ist es überall auf der Welt dasselbe. Man nehme eine weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte, fotogene Sehenswürdigkeit und jede Menge Besucher. Kaum angekommen wird dann ein Foto von sich mit der Würdigen gemacht.
In diesem Falle handelt es sich natürlich um die Christusstatue auf dem Corcovado. Da diese ausgebreitete Arme hat, lassen sich natürlich auch so gut wie alle Gäste genauso mit dem Klotz fotografieren. Und dieses Verhalten hat jetzt sogar Nachahmer im Tierreich gefunden.

Cristo Redentor mit einem Vogel in Rio de Janeiro / Brasilien
Poser

WEITERLESEN
Falken? Falken!
Lichtgestalten
Im freien Fall
Rinderwahnsinn

Sonntag, 8. Juni 2014

Der Supermarkt Südamerikas

So wird das paraguayische Ciudad del Este auch genannt. Auf Deutsch Oststadt, womit der thematische Weg zum Polenmarkt gar nicht mehr weit ist.
Extrem niedrige Preise für Elektronik, Mode und allerlei Krimskrams - selbstverständlich alles Originale - locken selbst Straßenhändler aus dem 1.500 Kilometer entfernten Rio de Janeiro an. Wer weiß, was dort für Preise aufgerufen werden, ahnt was das alles hier wohl kosten mag. Und das trotz horrender Beträge bei einem Wechselkurs von etwas über 6.000 Guarani für einen Euro.
Tausende passieren täglich de facto unkontrolliert die Grenze. Der Zoll führt deshalb wohl noch knapp 100 Kilometer hinter der Grenze Kontrollen durch. Denn selbst bei nur einer knappen halben Stunde im Lande sind auch mir Drogen als auch Waffen angeboten worden. Kein Wunder also, dass die Stadt in der einen oder anderen TV-Serie als Hort des Bösen dargestellt wird.
Wer jedenfalls aus welchen Gründen auch immer mal eben schnell unerkannt aus einem Land verschwinden muss, kann dies wohl kaum einfacher als hier tun.

Straßenmarkt in Ciudad del Este / Paraguay
Suchst Du?

WEITERLESEN
Shoppingerlebnis
Schatten der Vergangenheit (9)
Der große Biervergleich
Mall was anderes

Kommunikationsproblem

HALLO... Hallo?! HAAAALLLOOO... Es ist früh, viel zu früh. SYLVIA, HÖRSCHT MICH? Viel früher als geplant. ALSO ISCH HÖR DISCH GUT...
Das was mir hier kurz nach sieben Uhr morgens den Schlaf raubt, ist definitiv aus Schwaben und nicht gut für das allgemeine Wohlbefinden. Es steht mit seinem Smartphone im extrem schallverstärkenden Innenhof der Unterkunft. BABBA ZUM GEBURSCHDACH GRATULIERE... Trotz Zeitverschiebung ist es doch auch in Schwaben erst Mittag, verdammt nochmal! Viel wichtiger als die Gratulation in einer Lautstärke, bei der es gar kein Telefon bräuchte, ist aber KANNSCHT MAL DIE GONTOAUSZÜSCHE SCHGÄNNE UND SCHIGGE, DA HAT GESCHTERN EINER DIE GREDDITGARTE DRÜBBERGEZOCHE...
Beim Stichwort drüberziehen greife ich instinktiv zur leeren Bierflasche vom Vorabend, trage sie quer über den Hof zur Lärmquelle. Entgegen aller Vernunft erschlage ich ihn aber nicht damit, sondern versenke das Teil lautstark in der Mülltonne. Nützt aber alles nichts, der Schwabe beendet sein Gespräch nämlich mit einer Drohung: BISCH GLEICH!

Das Kommunikationsproblem
Großes Problem

WEITERLESEN
Dein neuer Freund
Waaanndudri
Sie sind überall
I AM NOT A TOURIST I LIVE HERE

Mittwoch, 4. Juni 2014

Alles eine Frage der Motivation

Mathematik ist ja zu Schulzeiten nicht unbedingt jedermanns Sache gewesen. Selbst das kleine Einmaleins war nicht immer auf Anhieb in den Griff zu bekommen. In Brasilien greift an dieser Stelle die Keksindustrie unterstützend ein. Im Regal findet sich eine Sorte, deren Verzehr sich erst verdient werden will. Es wartet nämlich eine kleine Rechenaufgabe auf den Vorfreudigen. Allerdings wird die Lösung gleich an Ort und Stelle verraten, so dass niemand hungern muss. Wer allerdings allzu heftig Mathe auf diese Weise paukt, braucht hinterher dann vielleicht Nachhilfe in Sachen Sportunterricht.

Keks mit Rechenaufgabe in Brasilien
Die Lösung findet sich auf der Rückseite

WEITERLESEN
Ein Snack für Fortgeschrittene
Duale Ausbildung
Gähnende Leere

Montag, 2. Juni 2014

Überzeugendes Auftreten bei (fast) totaler Ahnungslosigkeit

Im Linienbus zum Flughafen durch aus touristischer Sicht eher fragwürdige Gegenden. Es wird immer voller. Schließlich steigt ein Typ ein, bei dessen Aussehen man vermuten könnte, dass hier gleich die Löcher aus dem Käse fliegen. Allerdings nicht im Sinne einer lustigen Polonaise. Sportklamotten vom Feinsten, dicke Klunker, eine Halskette, mit der man den Bus notfalls abschleppen könnte und eine amtliche Uhr am Handgelenk gehören zu den Accessoires seiner Wahl. Nicht dazu gehören glücklicherweise Verstärkung und eine Schusswaffe. Stattdessen sucht er sich einen Sitzplatz, säubert diesen bevor er Platz nimmt und zahlt artig sein Fahrgeld. Danach holt er ein Rätselheft aus der Tasche und beschäftigt sich mit einem Suchrätsel. Als eine knappe Viertelstunde später der Flughafen erreicht ist, hat er auch schon einen Begriff gefunden.

WEITERLESEN
Ganz großes Kino
In einem Taxi durch Salvador
Einparken wie in Queens
Der Ranger

Samstag, 31. Mai 2014

Stress in Lençóis

Da will man sich am Ankunftstag im Nationalpark von der Fahrt im Nachtbus erholen und dann das: Erst reißt einen der Lecker-Frühstück-Wecker aus den Träumen. Danach braucht es geschlagene drei Versuche bis Geld aus der Wand kommt. Anschließend Bustickets für die Rückfahrt gekauft, der Vormittag war somit quasi rum. Zu allem Überfluss knarrt auch noch die Hängematte im Garten der Unterkunft beim siestaischen Geschaukel minimal. Und das Haustier sorgt artgerecht für Unruhe: Eine Schildkröte robbt sich durch das Unterholz.
Irgendwann reicht es dann mit so viel Stress, für den Nachmittag steht daher das Erklimmen eines Wasserfalls auf dem Programm.

Schildkröte im Garten in Lençois / Brasilien
Bewegungsunschärfe

WEITERLESEN
Reisebericht Fidschi - Ein Traum
Labour Day
Das Flugticket
Ein Gameboy für Große

Freitag, 30. Mai 2014

Klein aber oho

Die heißeste Ware auf dem südamerikanischen Kontinent scheint nicht etwa eine neue Art von Droge, sondern vielmehr Wechselgeld zu sein. Sobald man - egal wo - mit einem Schein außer dem kleinstmöglichen bezahlt, geht das große Stirnrunzeln los. Und das selbst bei Beträgen die nicht wesentlich über dem geforderten Wert liegen und in Wirtschaftszweigen, die öfter mit entsprechenden Summen zu tun haben.
Am Fahrkartenschalter 200 für 140, Im Hostel 200 für 176, im Supermarkt 20 für fünf irgendwas oder bei Tante Emma 20 für 12 Reais - eine Operation am offenen Herzen würde wohl die geringere Herausforderung sein. Möglicherweise sogar für Tante Emma.
Also gilt es, wann immer möglich große Scheine für möglichst hohen Gegenwert loszuwerden. Denn selbst bei betragsmäßig geschicktem Abheben kommt man kaum an kleine Scheine.
Vielleicht wäre das ja ein Geschäftsmodell für die Locals. Wechselgeldhändler, tausche 95 in klein gegen einen Hunderter.

Brasilianisches Wechselgeld
Nur schemenhaft zu erahnen

WEITERLESEN
Scheinwelt
Halt mal kurz
Ein Paradies für Geldfälscher
Ein Gameboy für Große

Dienstag, 27. Mai 2014

In einem Taxi durch Salvador

Aufgrund äußerer Umstände wie Temperatur, Dunkelheit und zwei Mitzahlern aus dem Raum Jena hat sich diesmal das Taxi als Transportmittel vom Flughafen zur Unterkunft durchgesetzt. Im Amerika südlich von Texas bedeutet sowas zwar Komfort und relative Sicherheit, aber nicht immer unbedingt auch eine Zeitersparnis. Taxifahrer kennen nämlich vermutlich das Hilton, nicht aber jede einzelne der zahllosen weit günstigeren Unterkünfte mitten im historischen Zentrum. Noch schlimmer ist aber die Tatsache, dass sie dies nicht zugeben wollen.
Erschwerend kommen dann noch beinahe historische Pistenverhältnisse, eine horrende Zahl an Einbahnstraßen sowie Steigungen wie im Hochgebirge hinzu. Zu allem Überfluss gibt es auch noch Straßen, die unter verschiedenen Namen mehr oder weniger bekannt sind. Nach einem Anruf in der Unterkunft, zweimal Nachfragen bei Passanten und insgesamt drei Anläufen in Richtung Zentrum habe ich den Chauffeur dann mit Hilfe des Stadtplans die letzten Meter zum Ziel lotsen können.
Urlaubscheckliste, Punkt Stadtrundfahrt Salvador: Erledigt. Dank des vorher vereinbarten Festpreises sogar sehr entspannt.

WEITERLESEN
Dieser Beitrag kann Spuren von Schule enthalten
Bewirb Dich jetzt!
Pandamonium
Noch Fragen?

Samstag, 24. November 2007

Im Verkehr

Als Fußgänger hat man hier so seinen Spaß. Man stolpert über beinahe kniehohe Bordsteinkanten und erschrickt sich fast zu Tode, wenn ab und an ein markerschütterndes Fiepen ertönt. Dieses signalisiert, dass jetzt oder irgendwann einmal ein Auto aus einer Toreinfahrt herausfährt. Es kann aber auch sein, dass der Fahrer gerade erst die Badewanne verlassen hat und erst in einer halben Stunde losfahren will. Dafür hat man das Geräusch noch für fünf Minuten im Ohr.
Ampeln dienen hier nur zur groben Orientierung. Sobald eine Lücke zwischen zwei Autos zu erahnen ist, sollte man seine Chance nutzen. Ansonsten droht irgendwann der Tod durch Altersschwäche - auf dieser Seite der Straße. Wer bei Grün ohne zu gucken über die Fahrbahn läuft, spielt so etwas wie Russisches Roulette. Wie gesagt, die Farben geben nur eine grobe Orientierung...
Auch in städtischen Bussen kann man allerhand erleben, wofür man anderswo Eintritt bezahlen müsste. Wenn denn mal an der Kreuzung gehalten werden muss, stürzen sofort mehrere Ich-AGs auf die Straße und jonglieren, machen anderweitig Kunststückchen oder bieten Erfrischungen an. Kurz bevor es weiter geht, wird dann um eine kleine Entlohnung gebeten. Einer der Fahrer hat mich auch schon einmal in den Zustand der Schwerelosigkeit versetzt, als er mit Schmackes über eine Kante einen Abhang hinunter gerast ist. Mir ist es aber gelungen, mich kurz vor der Landung wieder in die Senkrechte zu bewegen.
Das allerwichtigste Teil an so einem Bus ist aber weder Gaspedal noch Bremse, sondern die Hupe. Oder besser gesagt: zwei Hupen. Die erste wird für alles Mögliche benötigt. Grüßen, Abbiegen, Ausholen für eine Kurve - alles wird durch Hupen angezeigt. Die zweite, ernsthafte Hupe jedoch dröhnt wie ein Horn von einem Öltanker mit einer Kapazität von 220.000 BRT und lässt die halbe Stadt und alle Einwohner erzittern. Einmal habe ich erlebt, wie diese zum Einsatz kam und sie hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Der Zusammenstoß mit einem LKW konnte geradeso verhindert werden und das Gefährt hatte fortan freie Fahrt.

WEITERLESEN
Staub fressen
Sehen und gesehen werden
Rodeo in Ruanda
Four way stop

Strandnotizen

Da ich ja Rio de Janeiro schon im vergangenen Jahr kennengelernt habe, nutze ich die Zeit hier auch, um einen kleinen Badeurlaub zu machen. Das geht natürlich nicht mitten in der Stadt, so dass es mit dem Bus ein Stück aus der Stadt raus geht. Dort finden sich idyllische Strände mit weißem Sand, der so feinkörnig ist, dass man sich am liebsten eine Schaufel davon für das heimische Bett mitnehmen möchte, damit man in Zukunft bequemer schläft.
Ich bevorzuge Strände mit ordentlichen Wellen. Diese nehmen mich dann auch ran wie Tyson oder Ali in einem Schwergewichtskampf zu ihren besten Zeiten. Ich überschlage mich mehrfach unter Wasser und mir fällt ein, dass ich mich eigentlich nur im hüfttiefen Wasser befinde. Kaum aufgetaucht, rast schon die nächste Welle und mit ihr mehrere Surfer auf mich zu. Da heißt es Hände hoch, damit man gesehen wird. Die Gestalten umfahren die Menschen ohne Bretter wie Slalomstangen. Mike Tyson faltet mich zusammen wie ein Stück Papier und ich überlege, wie lange ich eigentlich die Luft anhalten kann und ob der Heimtransport in meiner Krankenversicherung enthalten ist.
Als der Mann mit dem großen Löffel, der für die Wellen sorgt, einen kurzen Moment Pause macht, schwimme ich sogar ein paar Züge und lasse mich dann von Herrn Tyson ans Ufer schleudern.

WEITERLESEN
Über Stock und Stein
Nächster Halt: Atlantik
Reisebericht Fidschi - Ein Traum
Beach life

Donnerstag, 22. November 2007

Es weihnachtet sehr

Auch in Rio de Janeiro kann man Papai Noel und seinen Vorboten Mitte November kaum noch entgehen. Jedes durchschnittliche Einkaufszentrum hat einen Tannenbaum aus Plastik mit bunten Kugeln aufgebaut. Ein Lakai im roten Kostüm mit weißem Rauschebart sitzt für Fotos und Kinderwünsche parat und betet innerlich den Erfinder der Klimaanlage an.
Leise rieselt hier nicht der Schnee, sondern wie auch daheim weihnachtliche Musik aus den Lautsprecherboxen. Ein kleines Kind na-na-nat Jingle Bells. Auf den Straßen wird weihnachtlicher Ramsch verhökert. Tanzende Weihnachtsmänner und diverse dekorative Utensilien werden auf dem Wochenmarkt neben Zierfischen in Plastetüten (!) angeboten. Einen Moment spiele ich mit dem Gedanken, den Bart Simpson in mir herauszulassen, aber mangels einer Nadel und weil von dem Erlös wahrscheinlich eine ganze Familie leben muss, lasse ich das dann doch bleiben.
Einen Unterschied zu Deutschland habe ich dann aber doch ausmachen können: Man erträgt das ganze hier nicht mit Hilfe von Glühwein, sondern mit einem Eis in der Hand und dem Badetuch unter dem Arm.

WEITERLESEN
Weihnachtsmarkt auf kolumbianisch
Weihnachtsmarkt auf mexikanisch
Tradition verpflichtet
Schwerstarbeit

I AM NOT A TOURIST I LIVE HERE

So steht es zumindest auf seinem T-Shirt geschrieben. Er betritt den Imbiss mitten in Rio de Janeiro blass wie eine Krankenhauswand, mit rotblonden Haaren und einem Rucksack auf dem Rücken, aus dem ein Reiseführer und eine Kamera herausblinzeln. Er trägt einen Strohhut und Birkenstocksandalen.
In noch schlechterem Portugiesisch als ich bestellt er das typischste aller brasilianischen Gerichte - einen Hamburger. Als er den Laden verlässt, kreisen bereits die Geier über ihm.

WEITERLESEN
Groß - größer - zu groß
Kommunikationsproblem
Waaanndudri
Sie sind überall

Dienstag, 20. November 2007

Filet Iguaçu

Auf dem Freisitz des Lokals "Bier Garden", das mir mein Reiseführer wegen riesiger Portionen zu günstigen Preisen empfohlen hatte, habe ich mir zum Abschied am Abend vor der Weiterreise ein Filet Iguaçu gegönnt. Wer wie ich schon einmal im Gartenlokal "Zum Ast" in Markranstädt war, hat irgendwie den Respekt vor riesigen Portionen verloren.
Während ich auf das Essen warte, stelle ich fest, dass der Laden noch nicht wirklich gefüllt ist, kurz vor halb zehn bin ich einer von exakt sieben Gästen. Genauso viele Kellner prügeln sich darum, wer bedienen darf. Einer gewinnt und bringt mir meine Mahlzeit. Diese besteht aus vier schönen großen Stücken totem Tier, umzingelt von Champignons in einer leckeren Sauce. Dazu werden eine riesige Portion Reis und Kartoffelbrei gereicht. Das klingt erst einmal putzig, schmeckt aber unheimlich gut. Ich gebe lediglich ein wenig von dem Reis zurück und ernte dafür anerkennende Blicke. Allerdings bezahle ich mit einem viel zu vollen Bauch dafür. Selbst das Austrinken des Bieres kostet unheimlich viel Kraft. Der unverwüstliche Stevie Wonder aus den Lautsprechern und eine Horde von Gästen - darunter vier kleine laute Kinder - lassen mich allen Mut zusammennehmen und den Heimweg antreten.
Zum Glück liegt das Hotel direkt gegenüber, so dass ich mich über die Straße rolle und 38 Stufen in den zweiten Stock hinaufquäle. Ich schaue mir im Fernsehen noch ein wenig American Football an und fühle mich so breit wie einige der Kollegen auf dem Feld. Ich werde Zeuge eines eher einseitigen 56:10 und schlafe danach ziemlich zufrieden ein.

WEITERLESEN
Ohne Worte
Kein Kampf
In zwölf Speisen um die Welt
Die afrikanische Tierwelt

Sonntag, 18. November 2007

Regenzeit

Nachdem ich an zwei sonnigen Tagen die Wasserfälle gesehen habe, habe ich mich am dritten und letzten Tag vor Ort entschieden, das Dreiländereck zu besuchen (auch Paraguay ist gar nicht weit entfernt von hier). Also in den Bus gestiegen, beim Fahrer rückversichert ob das auch der richtige ist und ab geht die Fahrt. An der Endstelle angekommen, erklärt er kurz, dass ich auf dem Rückweg bis hierher laufen müsse, er mich aber jetzt noch bis hin bringt - eine feine Geste. Erst recht, wenn man bedenkt, dass drei Minuten nachdem ich das Gefährt verlassen habe, Regen einsetzt.
Also schnell ein paar Bilder geschossen, und auf den Rückweg gemacht, an der Endstelle gibt es nämlich einen Unterstand, glaube ich mich zu erinnern. Nach zehn Minuten Fußmarsch erreiche ich selbigen und werde von ein paar Einheimischen grinsend informiert, dass der Bus erst in einer Stunde kommt. Tatsächlich erscheint der aber schon nach einer Viertelstunde und während der Heimfahrt fängt es ordentlich an zu schütten. Das Mobil entlässt mich an einer glücklicherweise notdürftig überdachten Haltestelle, von der es nur ca. 200 Meter steil bergab zum Hotel geht. Dieses bei dem Wetter lebendig zu erreichen, erscheint mir unmöglich. Selbst die McDonalds-Filiale in nur 50 Metern Entfernung ist für den Moment unerreichbar. Während das Unwetter nach ein paar Minuten kurz Luft bzw. noch mehr Wasser holt, lege ich die erste Etappe zurück und erreiche den Schnellimbiss trotz Regenjacke ziemlich durchnässt.
Während ich versuche, durch möglichst langsames Trinken der Cola Zeit zu gewinnen, geht es draußen erst richtig los. Aus dem Trommeln der Tropfen auf dem Blechdach ist inzwischen ein Dauerton geworden. Da dieses Dach nicht wirklich dicht ist, bilden sich inzwischen auch im Laden erste Pfützen. Draußen kämpfen einige Wagemutige einen aussichtslosen Kampf gegen Wind und Wasser, Schirme machen sich selbständig. Am Straßenrand verlaufen inzwischen Sturzbäche, die Blätter und vereinzelte Äste mit sich fortreißen. Autos und Busse haben nur mit Mühe eine Chance. Inzwischen ist die Beleuchtung auf einer Straßenseite komplett ausgefallen, wahrscheinlich steht irgendetwas Entscheidendes unter Wasser. Auch die Stromleitungen wackeln bedenklich. Nach zirka einer Stunde McGefangenschaft sind wieder einzelne Töne vom Dach zu vernehmen. Ich nutze die Chance und schwimme mit der Strömung zum Hotel zurück. Der Pförtner empfängt lachend mich mit den Worten Oh, Sie haben geduscht.... Blumen braucht er heute jedenfalls nicht mehr gießen.

WEITERLESEN
Trockenzeit
Runter kommen sie alle
Wetterfühlig
Dunkle Wolken

Stempeln gehen

Bei jedem Grenzübertritt habe ich bisher artig Stempel gesammelt: Einen für die Ausreise und einen für die Einreise, dazu schnell ein Formular ausgefüllt. Dieses muss dann bei der Ausreise wieder abgeben werden, um die legale Einreise nachzuweisen (wozu gibt es dann eigentlich den Stempel?). Zusammen mit den Zollpapieren ergibt sich eine astreine Zettelwirtschaft. Wenn man nun aber vorhat, nur für einen Tag nach Argentinien zu fahren um sich die Wasserfälle von der anderen Seite aus anzuschauen, ergibt sich die Frage, ob die ganze Prozedur erneut durchlaufen werden muss.
Diese Frage wird je nach Ansprechpartner unterschiedlich beantwortet. Von "Bei nur einem Tag wird gar nicht gestempelt" über "Beim Busfahrer Bescheid geben, dann hält er an der Grenze" bis zu "Es wird ganz normal gestempelt" lauten die Alternativen. Nun ja, es gibt nur einen Weg, die richtige Antwort herauszufinden...
Der Bus nähert sich der Grenze, fährt über die den Grenzfluss überspannende Brücke ohne vorher auf brasilianischer Seite zu halten und stoppt vor dem argentinischen Posten. Alle Passagiere verlassen den Bus und werden von den diensthabenden Kollegen durchgewunken, bis auf die drei Personen, die über keinen Pass aus einem südamerikanischen Land verfügen. Diese bekommen - natürlich - einen Einreisestempel. Stempeltechnisch gesehen befinde ich mich jetzt gleichzeitig in Brasilien und Argentinien. Mir egal, solange bei der Ausreise am späten Nachmittag keine Probleme auftreten.
Bei der Rückfahrt wird dann erneut auf argentinischer Seite gehalten und ich erhalte problemlos meinen Ausreisestempel (Stempel Nummer 14, wenn ich mich nicht verzählt habe). Nun muss der Bus nur noch die Schranke auf der anderen Seite der Brücke durchbrechen und alles wird gut. Muss er aber gar nicht, denn der Balken wird ohne weiteres hochgezogen und das Fahrzeug erreicht wieder brasilianischen Boden. Ich bin schon gespannt, ob es dazu bei der nächsten Grenzkontrolle eine Frage gibt.

WEITERLESEN
Ein Spiel dauert 90 Minuten
Fehlpass
Grenzerfahrungen
Road to mendocino(s)

Samstag, 17. November 2007

Wasser marsch

Schon der Anflug auf Foz do Iguaçu macht einem klar, worum es hier geht. Es ist weit und breit nichts außer einem großen Fluss und einem noch größeren Wald zu sehen. Kurz vor der letzten Kurve ist von meiner Seite aus sogar ein kurzer Blick auf die Wasserfälle zu erhaschen. Man hat das Gefühl, dass das Fahrwerk bereits mit den Baumkronen Kontakt haben muss, bevor dann doch irgendwann die Landebahn beginnt und der Flieger sofort aufsetzt.
Die Fälle an sich sind mächtig gewaltig und kaum mit Worten zu beschreiben. Dafür gibt es auf Wunsch Gratisduschen ohne Ende. Ich habe mal wieder perfektes Timing bewiesen und einen Tag mit Postkartenwetter erwischt. Der einzige Niederschlag kommt jedenfalls nicht vom Himmel. Apropos, an irgendeiner Stelle des Pfades zu den Fällen fragte doch tatsächlich eine Frau ihren Begleiter, wo denn bei einem solchen Wetter jetzt der Nieselregen herkomme. Die Haarfarbe der Blondine verrate ich jetzt aber nicht. Es handelte sich jedenfalls um eine Deutsch(sprachig)e, leider...
Um den ersten Tag abzurunden, ging es am Abend noch nach Itaipu, wo die Brasilianer in Kooperation mit dem Nachbarn Paraguay das größte Wasserkraftwerk der Welt hingestellt haben. Der acht Kilometer lange Damm wurde nachts beleuchtet, dazu ertönte eine eigens komponierte Melodie. Die ganze Show verbrät ungefähr ein Megawatt an Energie, aber wer es sich leisten kann...
Alles sehr beeindruckend, vor allem, wenn man wie ich das Teil vorher noch nicht im Hellen gesehen hat.

WEITERLESEN
Super Amazonas
Vorhang auf
Reisebericht Niagara Falls - Eleanor hat Recht
Stempeln gehen