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Freitag, 30. März 2012

Reisebericht Zypern
Zwei Seiten der Medaille

Bei der Fahrt durch die Republik Zypern bemerkt man ziemlich schnell einen recht starken Kontrast zwischen Küste und Hinterland, eines eint aber alle Einwohner: Das Bekenntnis zum griechischen Ursprung, jedenfalls trifft man deutlich häufiger auf die hellenische als auf die zyprische Flagge.
Die Strandabschnitte sind im Wesentlichen gut erschlossen oder besser gesagt zugebaut und selbst im Frühling und somit vor Beginn der Saison ist hier alles ziemlich touristisch orientiert. Die Wege sind kurz und gleich hinter den Bettenburgen befinden sich für den Kulturgenuss ein paar alte Steinhaufen, deren historische Bedeutung sich dem Nichtfachmann allerdings nicht sofort erschließt.
In den Bergen im Landesinneren hingegen ist die Welt noch in Ordnung, auch wenn man beim Einkauf in der nächstgelegenen Stadt besser an alles denkt, ansonsten droht eine kurvenreiche, langgezogene zusätzliche Fahrt. Leute sieht man hier so gut wie keine auf der Straße. Wenn aber doch mal, dann wirken diese zumeist zutiefst entspannt und haben eigentlich immer ein Lächeln auf den Lippen.
Trotz des Konflikts mit den Nachbarn im Norden, der zum Glück in den letzten Jahren an Brisanz verloren hat, scheint es den meisten hier richtig gut zu gehen.

Kap Greco Sea Caves / Zypern
Kap Greco

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Donnerstag, 29. März 2012

Feindliche Übernahme

Nichts ist so beständig wie der Wechsel. Was für die Nachrichten aus der Zeitung von gestern oder die Transferliste des Deutschen Fußballbundes gilt, findet hier auf Zypern in der geteilten Hauptstadt Nikosia auch im Bereich der Religion Anwendung.
Die Geschichte mit den Griechen, den Türken und deren Glauben, Streitigkeiten in ferner wie jüngerer Vergangenheit und der Insel Zypern im Mittelpunkt beiderseitigen Interesses ist keine einfache. Jedenfalls verläuft die Grenze, die sogenannte Grüne Linie, mitten durch die Hauptstadt und auf türkischer Seite hat man kurzerhand und mangels Platzes eine gotische Kathedrale durch Anbau zweier Minarette zu einer Moschee umfunktioniert. Der Alptraum all derer, die das Abendland dem sicheren Untergang geweiht sehen, scheint hier bereits Gestalt anzunehmen.
Ansonsten scheint in der Stadt Dank der Einführung von Grenzübergängen und Reisefreiheit vor ein paar Jahren eine gewisse Entspannung eingetreten zu sein. Der Hauptübergang in der Fußgängerzone wirkt eher wie eine Touristenattraktion, als eine Grenze zwischen zwei verfeindeten Nachbarn. Das Fotografierverbot herrscht wohl nur auf dem Papier und in unmittelbarer Nähe werden fleißig Souvenirs verkauft. Die Griechen interessieren sich nicht einmal mehr für Ausweisdokumente, lediglich nach der Nationalität wird eher beiläufig gefragt. Die Grenze ist teilweise nur durch Ölfässer samt provisorischem Stacheldraht befestigt. Insgesamt eine sehr merkwürdige Atmosphäre und sicher nicht mit der eigenen Hauptstadt vor ein paar Jahrzehnten zu vergleichen.

Grenzstreifen in Nikosia / Zypern
Im Grenzbereich

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Montag, 26. März 2012

Geisterbahnfahrt

Knapp 70 Kilometer Serpentinenfahrt durch das zyprische Troodos-Gebirge hinterlassen so ihre Spuren, vor allem bei zügiger Fahrweise aufgrund der drohenden Dunkelheit gegen Ende des Tages. Als da wären erhöhte Heiterkeit beim Fahrer und ein gefühltes Nahtoderlebnis auf Beifahrerseite. Aber nicht nur die Zentrifugalkraft beeinflusst hier die allgemeine Gefühlslage.
Denn außer den zahllosen Richtungswechseln („hatten wir nicht schon mal eine Linkskurve?“) trägt auch eine gewisse Unwetterlage inklusive heftiger Winde und rasanter Abkühlung mit zunehmender Höhenlage zur besonderen Stimmung bei. Obendrein überzeugt die Strecke durch Einsamkeit, ganze fünf Fahrzeuge kreuzen in gut zwei Stunden den Weg. Außerdem führt die Route teilweise direkt an der Grenze zum türkisch besetzten Teil der Insel entlang, Fotografierverbot, Warnschilder und Stacheldraht zeugen von historisch bedingter Abneigung zwischen den Nachbarn.
Am Ende wird das Tagesziel jedoch ohne nennenswerte Verluste erreicht, das Unwetter hat sich verzogen und die ruhige Atmosphäre im abgelegenen Bergdorf lässt die Strapazen der Anreise vergessen.

Troodos-Gebirge / Zypern
Wetter wieder gut

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