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Dienstag, 16. Januar 2018

Die besten Toiletten Afrikas

Ich bin zwar noch nicht mit allen durch, aber zwei Nominierungen kann ich schon mal bekannt geben. Mit den stillen Örtchen verhält es sich ja wie mit Pokerhänden, das Normale vergisst man sofort wieder, nur die besonders Guten und die besonders Schlimmen bleiben in Erinnerung.
Kandidat Nummer eins befindet sich auf 3.460 Metern Höhe knapp unter dem Gipfel des Mount Nyiragongo im Kongo und punktet vor allem in der Kategorie „Besonderes“. Es handelt sich um einen simplen, freistehenden Bretterverschlag ohne Tür. Vom Balken aus hat man einen fantastischen Blick hinüber bis nach Ruanda, die Stadt Goma und die Kivusee liegen einem zu Füßen. Hinsetzen würde ich mich trotzdem nur im Notfall, die Aussicht kann man auch außerhalb prima genießen.
Die zweite Nominierung hat sich ein Exemplar an einer Tankstelle der Kette City Oil in Kampala verdient. Nach zwei Stunden warten auf die Abfahrt des Busses meldet sich der Magen, einmal nicht Aufpassen kann in der Gegend schnell teuer werden. Jedenfalls fährt der Bus jetzt los, nochmal Aussteigen ist am Busbahnhof nicht drin. Zwanzig Minuten später ist dann „Jetzt“ und ich habe inzwischen ganz schön kleine Augen. Interessanterweise geht es aber einigen anderen scheinbar auch so, denn der Bus stoppt an der ersten Tanke noch innerhalb der Stadt. Im Ernstfall kann ich ganz schön schnell sein und sichere mir einen der begehrten Plätze. Hierbei handelt es sich um nicht viel mehr als ein Loch im Boden in einer nicht mal abschließbaren Kabine. Im Gegensatz zu Papier gibt es aber immerhin eine Spülung, ansonsten heißt es kreativ sein. Aber manchmal reicht für eine Titelnominierung in dieser Kategorie auch schlicht das wichtigste Argument von allen: Verfügbarkeit.

Aussicht auf Goma vom Mount Nyiragongo / Kongo
Die Aussicht auf Goma bei Nacht

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SJ Kim, der VFL Amsterdam und zwei grundverschiedene Toiletten
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Samstag, 6. Januar 2018

Verwandtschaft zu Besuch

Besuche bei der lieben Verwandtschaft laufen meist ähnlich ab. Erst ist man ewig unterwegs und erst einmal angekommen, gilt es ein paar einfache Regeln zu beachten. Nach spätestens einer Stunde muss man wieder los, es ist immer ein Sicherheitsabstand von mindestens fünf Metern einzuhalten, geredet werden sollte nur im Notfall und zum gegenseitigen Schutz wird eine Atemmaske getragen. Wer sich jetzt an seinen letzten Besuch bei Schwiegermutter erinnert fühlt, befindet sich hier thematisch aber auf der falschen Fährte.
Vielmehr geht es um den Besuch bei den Berggorillas im Virunga Nationalpark im Kongo. Drei der insgesamt zwölf an Menschen gewöhnte Gruppen können heute im Dschungel besucht werden. Fährtenleser sind in aller Herrgottsfrühe losmarschiert und haben die Tiere aufgespürt. Bei der Zuordnung der Besucher zu den Gruppen fällt doch allen Ernstes die Frage, welche denn am weitesten weg sei, denn man laufe gerne weit. Da sind sie wieder, die zwei Belgier aus dem vorangegangenen Bericht.
Ich schließe mich aber viel lieber einer Gruppe mit einem eher entgegengesetzten Ansatz an. Mit von der Partie ist unter anderem ein amerikanischer Biologe, der durchaus als Vorlage für die Figur des Sheldon Cooper herhalten könnte. Sehr witzig. Trotz der vermeintlich einfacheren Route ist es ein ganz schöner Kampf bis der Ort des Geschehens erreicht ist. Die Tiere können sich glücklich schätzen, dass sie nicht auch jeden Tag von der Ranger-Station aus loslaufen müssen.
Daher wirken die Gorillas beim Erreichen sehr entspannt und die zwei Babys der Gruppe veranstalten ein nettes Showprogramm mit diversen Klettereien. Scheinbar haben die Affen das Memo mit den Verhaltensregeln aber nicht erhalten. Als das Zurückweichen einmal nicht möglich ist, drängeln sich zwei der Tiere in nur dreißig Zentimetern Entfernung an uns vorbei. Und Atemmasken trägt auch keiner von ihnen.
Auf dem Rückweg werden wir dann gefeiert wie Könige, dass liegt aber entgegen erster Vermutungen doch nicht am Schwierigkeitsgrad der zurückgelegten Strecke. Vielmehr freuen sich Kinder einer Siedlung am Wegesrand über uns Muzungus (Bleichgesichter), da hier scheinbar nicht sehr häufig Besuchergruppen vorbeikommen. Absoluter Höhepunkt für die Kleinen sind das Anfassen eines Weißen (nur für ganz Mutige) und ein neues Spielzeug: Eine leere Wasserflasche wird wie eine Trophäe behandelt. Am Ende des Tages sind also nicht nur die Besucher zufrieden eingeschlafen.

Berggorillas im Virunga-Nationalpark / DR Kongo
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Freitag, 5. Januar 2018

See-nsationell

Zwei Belgier, zwei Deutsche und eine Griechin klettern einen aktiven Vulkan hinauf. Normalerweise beginnt so ein Witz, so richtig witzig ist es aber nicht. Der Hüne hört auf den etwas sperrigen Namen Nyiragongo und seine Spitze reicht fast an die 3.500 Meter heran. Für uns stehen ziemlich genau 1.500 Höhenmeter auf einem acht Kilometer langen Weg auf dem Programm. Die erste halbe Stunde geht es kaum bis eher unauffällig ansteigend voran, danach eskaliert das Profil. Da ist man dann anstiegsmäßig bei Prozentzahlen, die selbst Bergfahrern bei den großen Radrundfahrten die Tränen in die Augen treiben.
Vorneweg marschiert die Belgierin, die mit ihrem Freund Triathlon betreibt. Laufen ist dabei angeblich nicht so die liebste Teildisziplin. Möglicherweise hätte sie hier und heute lieber das Fahrrad genommen. Bei jeder Pause sitzt sie so da, als würde sie gerade während einer Städtereise auf die U-Bahn warten. Ganz anders die Griechin, die sich unterstützt von ihrem Freund den Schotterweg hinauf kämpft. Genau diese Tour als ihre erste dieser Art auszuwählen bereut sie sicher inzwischen.
Irgendwo dazwischen zähle ich die Steine des Schotterweges und höre zwischen drei und vier Millionen auf. Begleitet werden wir von zwei bewaffneten Rangern, einem Koch und mehreren Trägern, die teils in Gummistiefeln laufen als wäre es nichts. Dreimal pro Woche macht ein jeder diese Tour mit. Unterwegs fängt es ordentlich an zu schütten und kurz vor dem Gipfel zieht auch noch Nebel auf. Oben wird bei knapp unter zehn Grad in kargen Hütten, die nichts als eine Matratze enthalten, genächtigt. Strom und fließendes Wasser sind am Ausgangspunkt der Tour zurückgelassen worden. Um fünf Uhr früh klingelt dann der Wecker für den Abstieg. Auf halber Höhe kommt uns eine Einheimische entgegen, die zwei Kanister zu je zwanzig Litern Wasser zu einem Kontrollpunkt kurz unter dem Gipfel schleppt. Vermutlich bekommt sie dafür nicht viel mehr als ein Trinkgeld und schafft die einfache Strecke in ihren Flip-Flops in ein bis zwei Stunden weniger als ich. Wenn ich allerdings diese Art von Schuhwerk hätte tragen dürfen...
Inzwischen stellt sich dem einen oder anderen vielleicht die Frage, warum zum Henker man so etwas auf sich nimmt. Beantworten möchte ich das mit einem Bild, denn das sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte.

Lavasee im Krater des Nyiragongo-Vulkans im Virunga-Nationalpark / DR Kongo
Baden ist im größten Lavasee der Welt nicht zu empfehlen

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Dienstag, 2. Januar 2018

Spielvorbereitung

Seit Ali und Foreman einst den "Rumble in the Jungle" veranstaltet haben hat sich das Land zwei weitere Diktatoren und einen neuen Namen gegönnt. Was jedoch zuverlässig geblieben ist, ist das "Rumble". Wer jedenfalls einfach so in der Demokratischen Republik Kongo aufkreuzt, taucht wahrscheinlich auch mit einem Messer bei einer Schießerei auf. Aber die Mühe soll sich lohnen.
Mit Ländern, die das "Demokratisch" im Namen führen müssen, ist es ja in Sachen Reisen nicht immer ganz so einfach. Zum Glück habe ich aber ein paar Jahre Erfahrung in einer demokratischen Republik sammeln können. Das Auswärtige Amt jedenfalls warnt vor Reisen in Teile des Landes, der dienstliche oder geschäftliche Aufenthalt in diesen Gebieten muss durch ein tragfähiges Sicherheitskonzept abgesichert sein. Zum Glück bin ich aber weder dienstlich noch geschäftlich unterwegs. Dafür beobachte ich seit fast zehn Monaten intensiv die Lage im Lande. Es soll sich nämlich lohnen.
Ein Präsident, der die Finger nicht von der Macht lassen kann und daher mal mehr und mal weniger Stress mit ein paar Rebellen hat. Der wegen angekündigter Proteste kurzerhand Internet und Telefon abschalten lässt und dem dafür ein Wochenenddomizil abgebrannt wird. Das Land findet sich im weltweiten Demokratieindex hinter so sympathischen Destinationen wie Irak und Afghanistan wieder. Dazu gibt's von Zeit zu Zeit ein paar kleinere Unannehmlichkeiten wie Ausbrüche von Cholera, Ebola oder den eines Vulkans. Und die UNO und ein paar globale Konzerne, die die Profite aus den zahllosen Bodenschätzen unter sich aufteilen, haben auch noch ihre Finger im Spiel. Potentielles Ungemach ist also breit aufgestellt. Aber es gibt etwas zu sehen, das sich absolut lohnt.
Jedenfalls stehe ich wie vermutlich fast alle Besucher der Gegend in Kontakt mit einem grenznahen Nationalpark und vertraue am meisten auf das Urteil der Parkverwaltung, die Truppe ist schließlich am nächsten dran. Im Gegensatz zu Mitarbeitern des diplomatischen Dienstes in der 2.500 Kilometer entfernten Hauptstadt. Diese sollen sich wohl vor allem selbst absichern wollen. Die Jungs vor Ort organisieren sogar das Visum, nur die für die Einreise benötigte Gelbfieberimpfung habe ich selbst veranlassen müssen. An einem Grenzübergang mitten in Afrika muss das nämlich nicht unbedingt sein. Hatte ich schon erwähnt, dass es sich lohnen soll?
Das Einzige, das mir Angst macht, ist die Landessprache: Französisch ist hier das Mittel der Qual Wahl.

Gisenyi, Ruanda, Wegweiser Grenze DR Kongo
Heute mal nicht zum Strand

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