Dienstag, 13. Januar 2026

Gestorben wird immer

Das passiert den Besten. Aber irgendwie hat man in Ghana einen anderen Umgang mit dem Tod gefunden, als in heimischen Gefilden. Statt einer leicht mal zu übersehenden Anzeige im Blatt des Vertrauens wird hier einfach ein Aushang gemacht. Riesengroß am Haus des Toten, versehen mit Konterfei, einem mehr oder weniger ausführlichem Text mit allen wesentlichen Verdiensten und natürlich einer Altersangabe. Bei der Beerdigung steht dann eher das Feiern des gelebten Lebens als die Trauer im Vordergrund. Ein je nach Anhängerschaft schon mal recht ansehnlicher Umzug zum Friedhof blockiert auch gerne mal die Hauptstraßen.
Am interessantesten ist aber ein Brauch, den eine bestimmte Volksgruppe hier entwickelt hat. Wer es sich leisten kann, lässt für sich bzw. für seinen Angehörigen einen maßgefertigten Sarg herstellen. Dieser ist ganz individuell nach Tätigkeit oder Interessen des Verstorbenen gestaltet und knallbunt bemalt. Eine Flugzeugform für einen Piloten, ein Fisch für - Überraschung - einen Fischer oder eine Paprika für einen Gemüsehändler. Auch eine Colaflasche und ein Geldbündel habe ich beim Besuch eines Herstellers bestaunen können. Mittendrin findet sich schließlich auch ein ganz normaler Sarg, vielleicht für einen Sargbauer? Ein Sportwagen könnte hingegen zur Abwechslung mal ein Hinweis auf die Todesursache sein. So oder so macht man sich stilvoll auf den Weg ins nächste Leben.
Ein Sarg ist eigentlich nichts für mich, aber das hat zugegebenermaßen was. Diese Tradition hat es inzwischen zu einer gewissen Berühmtheit geschafft, aktuell beschäftigt sich eine Ausstellung in Accra damit. Einzelne Exemplare wurden sogar schon im British Museum in London ausgestellt. Hoffentlich aber ohne dass in Ghana jemand dringend darauf gewartet hat. Denn schon allein die Herstellung dauert drei bis fünf Wochen. Gut Sarg will Weile haben.

Speziell angefertigter Sarg in Accra, Ghana
Das wäre dann mein Modell

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