Für die Strecke von Kumasi zum Mole Nationalpark errechnet der Kartendienst der Wahl für die gut 420 Kilometer etwas über sieben Stunden Fahrzeit aus. Erfahrungsgemäß kommt man dann bei den hiesigen Straßen und Verbindungen bei zehn bis zwölf raus. Nichts für schwache Nerven. Das ist Afrika. Um acht Uhr morgens solle man unbedingt da sein, in einer halben Stunde ist das anvisierte Fahrzeug mit nur sieben Sitzen im Allgemeinen voll. Der geneigte Leser ahnt es schon, um 12:30 Uhr war die halbe Stunde auch schon rum. Aber nur, weil ich noch für einen zweiten Platz bezahlt habe. Das ist Afrika.
Los geht's, nach etwas über zwei Stunden im zähen Stadtverkehr haben wir die Vororte Kumasis hinter uns gelassen und es werden endlich Meter gemacht. Trotzdem drohen hier erst das Tageslicht und irgendwann dann sogar der Tag selbst auszugehen. Habe ich schon erwähnt, dass ich noch zweimal umsteigen muss? Das ist Afrika. Irgendwann muss ich mich entscheiden: Kurz vor Sonnenuntergang wäre auf halber Strecke ein Zwischenstopp möglich, am nächsten Morgen gäbe es einen Wasserfall zu sehen. Danach könnte ich die Fahrt dann bei Tageslicht fortsetzen. Wenn ich jetzt doch weiterfahre, muss ich an einem Abzweig im nirgendwo Glück haben, dass sich abends noch eine Umstiegsmöglichkeit bietet. Die meisten Leute reisen hier tagsüber. Weiter geht's. Das ist Afrika.
Nachdem wir fast sieben Stunden mit einem freien Sitz unterwegs gewesen sind, stoppt der Wagen scheinbar grundlos und Wahad steigt zu. Auch er will wie ich zum Abzweig und ist sich sicher, dass ich dort noch einen Anschluss bekomme. Das ist Afrika. Wir steigen aus und tatsächlich steht ein Sammeltaxi bereit. Leer. Ich bin der Erste und wenn ich alle Plätze bezahle, kann es sofort losgehen. Das hatten wir doch vor zwölf Stunden schon mal! Das ist Afrika. Ich lege erst einmal eine Verpflegungspause am Abzweig ein, dort sind auch nach Einbruch der Dunkelheit noch zahllose Verkaufsstände besetzt. Das ist Afrika. Nachdem ich fertig mit dem Essen bin, ist das Sammeltaxi inzwischen immer noch leer. In der Zeit bis das voll wird, haben die Chinesen die Große Mauer gebaut. Dann kommt plötzlich ein Auto um die Ecke, was ebenfalls eine kurze Pause einlegt. Der Fahrer kann mich bis in die einzige nennenswerte Stadt auf dem Weg mitnehmen. Das ist Afrika. Dort angekommen, stehen diverse Motorräder bereit, die mich dann bis in den Nationalpark bringen können. Nach 14 Stunden bin ich am Ziel. Das ist Afrika.
Eine Reservierung habe ich nicht, die Rezeption hat schon zu. Am Einlass ruft der Diensthabende die Security an, die die Unterkunft bewacht. Diese wiederum telefoniert dann mit einem Mitarbeiter, der sofort herbeieilt und mich eincheckt. Alles kein Problem. Das ist Afrika.
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2 Kommentare:
Bei uns ist die Schule geschlossen, weil es mal schneit. Das ist Deutschland! 12 Tage später ist dann die Schule geschlossen, weil die Lehrer streiken. Das ist Deutschland!
"Früher nannte man das Winter." habe ich im Zusammenhang mit der Wetterlage oft gelesen.
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