Wem in Accra mal nach Gesellschaft ist, dem kann geholfen werden. Genau für solche Fälle empfiehlt sich ein Besuch des Makola Markets, eines der größten Märkte des Landes. Über mehrere Straßenzüge erstreckt sich das Spektakel drinnen wie draußen auf der Straße, auf dem Fußweg und in den Häusern über mehrere Etagen. Ein endloser Zug an Menschen, Waren und Fahrzeugen quält sich zentimeterweise durch die Straßen, quasi ein Rosenmontagsumzug in heiß und stickig.
Wer vorwärtskommen will, im schlimmsten Fall sogar zielgerichtet, der fühlt sich schnell wie bei einem Laufspielzug in der National Football League. Sobald sich auch nur die kleinste Lücke ergibt, gilt es diese sofort zu nutzen. Ansonsten drängelt sich jemand vor und jemand sind in dem Fall dann ungefähr 50 Leute. Ein Zögern ist keine Option, am besten schwimmt man einfach mit der Menge mit. Einmal werde ich falsch abgebogen, wie zu Christoph Kolumbus' Zeiten finde ich dank des Sonnenstandes die Orientierung aber doch wieder. Wie man hier allen Ernstes Fahrzeuge auf die Menge loslassen kann, ist mir unbegreiflich. Das Wort Schritttempo ist hier definitiv falsch, wahrscheinlich geht es manchmal allein aufgrund der Plattentektonik voran. Und nein, entgegen anderslautender Meinungen hilft Hupen nicht. Kein bisschen. Es herrscht ein einziger Brei an Geräuschen in mehr als ausreichender Lautstärke.
Ich beobachte drei Touristinnen dabei, wie sie tatsächlich nach einem Shoppingerlebnis trachten und versuchen, sich länger an einem Schuhverkaufsstand festzuhalten. Keine Chance, sie geben auf und werden Richtung Kühlschränke weitergetrieben. Irgendwann keimt in mir der Wunsch auf, den Schauplatz zu verlassen. Da mir die Richtung im Zweifel völlig egal ist, folge ich einfach einer der Trägerinnen. Diese sind im Schnitt einen Kopf kleiner als ich und haben auf ihren Kopf in der Regel ein Holzbrett, welches allein mir vermutlich schon zu schwer wäre. Weil aber hier niemand einfach nur Holzbretter kauft, sind darauf dann die eigentlichen Einkäufe gestapelt. Unmengen von Einkäufen. Da sie diese sicher schnellstmöglich zum Ausgangsort des Abtransports befördern will, hefte ich mich einfach an ihre Fersen. Und tatsächlich, es geht um ein paar Ecken, über enge Wege, unter ein paar Unterständen hindurch schnurstracks zu einem der Ausgänge. Den hätte ich alleine ohne größeren Zeitverlust niemals gefunden - da können sich die Casinos in Las Vegas noch eine Scheibe abschneiden.
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Gähnende Leere
Genießen Sie die Fahrt in vollen Zügen!
1 Kommentar:
Getreu dem Motto „mittendrin statt nur dabei“!
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